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Dienstag, 18. Oktober

85. Grundbuch der österreichischen Literatur seit 1945

19:00
Felix Mitterer Die Piefke-Saga TV-Komödie in vier Teilen. Regie: Wilfried Dotzel, Werner Masten. ORF/NDR,1989–93; Buchausgabe Haymon Verlag, 1991; DVD: Edition ORF/Hoanzl, 2011.
Felix Mitterer über Motive und Details der literarischen Vorlage und ihrer Umsetzung
Johann Holzner REFERAT
Klaus Kastberger, Kurt Neumann REDAKTION UND MODERATION

Felix Mitterers erst aus drei Teilen bestehende TV-Komödie, vier Jahre später durch einen weiteren Teil ergänzt, untersucht in der Tradition des Volksstückes, die er schon in seinen davorliegenden Werken für sich adaptiert und weiter entwickelt hatte, das ambivalente Verhältnis zwischen der Tiroler Bevölkerung und ihren deutschen Urlaubsgästen. Dass die Einheimischen untereinander ebenfalls zwiespältige Beziehungen pflegen, ist nur ein Teil der gesellschaftspolitischen Tatsachen und Wahrheiten, die Mitterer in seiner populären satirischen Serie zur Darstellung gebracht hat. Diese erfuhr zahlreiche Wiederholungen in verschiedenen TV-Anstalten des öffentlichen Rechtes in Deutschland und Österreich, wobei mehrfach der schonungslos-radikalere vierte Teil einfach unterschlagen wurde. So erstaunt es auch nicht, dass für den von Mitterer nach dem Tiroler Corona-Desaster geschriebenen fünften Teil noch keine Aussicht auf einen Produktionstermin besteht.

»Unumstritten waren seine Arbeiten nie. Felix Mitterer hat sich immer schon bemüht, auf die Dynamik des gesellschaftlichen Wandels – wie er sie beobachtet – und auf die daraus resultierenden Konflikte mit Hörspielen, Theaterstücken und Fernsehspielen so zu reagieren, dass sein wichtigstes Anliegen nicht übersehen werden kann: aufzuklären über Mittel und Wege, in jeder Konstellation Menschlichkeit zu beweisen, das Leben nach ethischen Maßstäben zu gestalten. In der Piefke-Saga sollte das Thema Massentourismus aufgegriffen und dabei zugleich auch etwas Neues versucht werden, nämlich ein dramaturgisches Konzept mit eingebauten Brüchen. Der erste Teil ist als Satire angelegt, der zweite als Komödie, der dritte als Tragikomödie; der vierte präsentiert eine Horrorvision. Mit eingeplant: Kontroversen. Alles mittlerweile passé?«

J. Holzner

Felix Mitterer, *1948 in Achenkirch/Tirol, lebt nach vielen Jahren in Irland heute in Schwaz/Tirol. 5-bändige Gesamtausgabe der Theaterstücke (1992–2016). Weiters (u.a.): An den Rand des Dorfes. Erzählungen. Hörspiele (1981); Verkaufte Heimat. 4-teilige TV-Serie (1988–1993/1994); zuletzt zwei Prosabücher: Mein Lebenslauf (2018); Keiner von euch (2020).

Johann Holzner, *1948, Prof. em. der Univ. Innsbruck und des Brenner-Archivs. Untersuchungen der vielfältigen Zusammenhänge zwischen österreichischer Literatur und Nationalsozialismus, Exil, innerem Exil; umfangreiche Herausgeberschaft.

Buchreihe Grundbücher der österreichischen Literatur seit 1945 (Hg. K. Kastberger, K. Neumann; Reihe profile im Zsolnay Verlag) – Erste Lieferung (2007); Zweite Lieferung (2013); Dritte Lieferung (2019).

gemeinsam mit dem Adalbert-Stifter-Institut, Linz (17.10.) und dem Literaturhaus Graz (20.10.)