der hammer 113

»In sprachlicher Kurzarbeit«

Mai 2021

Über ihre Erkundungen von Sprache in Zeiten der Pandemie schreibt Laura Freudenthaler: »Ich habe schon ›vorher‹ nach einer Sprache gesucht für eine Welt, in der die Menschen einander nicht ins Gesicht schauen. […] In einer Welt, die immer mehr zur Benutzeroberfläche gemacht wird« und in der »die Zufälle, die Nischen und das Brachliegende« aus dem öffentlichen Raum getilgt werden. Entsolidarisierung und die Prekarisierung von öffentlichem Raum, das sind nur zwei der Tendenzen, die sich in den letzten Monaten verschärft haben, dazu kommt eine Veränderung des Verhältnisses zwischen analogem und digitalem Raum.

Mit dem Verhältnis von Innen und Außen, mit Innovationsdruck und Sprachkritik während der Pandemie beschäftigen sich die beiden Autor*innen Laura Freudenthaler und Jörg Piringer in diesem Hammer: Laura Freudenthalers Pandemieerfahrung führte nicht zuletzt zu einem Rückzug vor der digitalen Betriebsamkeit, um wieder Zugang zum literarischen Schreiben zu finden. Jörg Piringer, in dessen digitaler und transmedialer Poesie Digitalität immer schon ein wesentlicher Bezugspunkt war, streamte zwischen März und Juni 2020 ›Antiviral art content‹ auf der Open-Source-Plattform echoraeume, die er mit Kolleg*innen konzipiert hat, um unabhängig von Monopol- und Google-Diensten wie Youtube zu sein. Und doch verringerte die Notwendigkeit, digitale Mittel einzusetzen, auch seine Experimentierfreudigkeit.

Im Februar 2021 haben Laura Freudenthaler und Jörg Piringer mit Publikum der Alten Schmiede online über literarisches Schreiben und Literaturveranstaltungen in Zeiten der Pandemie gesprochen. Daraus hat sich eine Korrespondenz zwischen den beiden Autor*innen entwickelt, die auf den folgenden Seiten auszugsweise vorgestellt wird – zu lesen ist unter anderem von dem Gefühl, sich in »sprachlicher Kurzarbeit« zu befinden (Jörg Piringer).

Johanna Öttl

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