literatur als zeit-schrift

Literaturzeitschriften und deren Macher*innen seien »eine kleine resistente Minderheit, ein Büschel Gras, das wie durch ein Wunder dem Beton entgangen ist«, charakterisiert Michael Krüger, der ehemalige Herausgeber der Akzente, die prekäre wie widerständige Stellung des vielgestaltigen Mediums im literarischen Feld. Als Orte kritischer ästhetischer und gesellschaftlicher Auseinandersetzung und abseits von Marktkonformität und Mehrheitsmeinung sind Literaturzeitschriften ein zentraler Bestandteil des literarischen Lebens:  Sie stoßen Debatten an, ermöglichen neue Schreibweisen, erkunden ästhetische Zwischenräume, die in anderen Medien kaum Platz finden. In den Veranstaltungen der Reihe Literatur als ZeitSchrift stellen Herausgeber*innen, Redakteur*innen und Beiträger*innen aktuelle Ausgaben österreichischer Literaturzeitschriften vor; auch wichtige historische Debatten aus Literaturzeitschriften werden von Autor*innen und Zeitschriftenforscher*innen präsentiert. So erschließt die Reihe zeitschriftengeschichtliche Diskurse und erörtert außerdem Funktion, Stellung und Zukunft des Mediums in der deutschsprachigen literarischen Öffentlichkeit.

Zitatquelle: die horen Nr. 250/2013, S. 128.

aus dem blog

FREIBORD. Zeitschrift für Literatur und Kunst. Ausgabe Nr. 45, Jg. 10 (1985): GRENZENLOS GRENZENLOS

»Da ›die‹ Massenmedien und die tägliche persönlichkeitszerstörende Plackerei dazu führen und verführen nicht mehr zu denken, haben wir uns entschlossen, diese Zeitschrift zu publizieren. Wir steuern auf den amorphen Konsumenten und diese amorphe Gesellschaft zu, nicht um zu integrieren, sondern um zu profilieren und zu demaskieren. [...] Der kritik- und konfrontationsfähige Mensch ist die letzte Chance des Menschen. [...] Es gibt eine Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur. Wir wollen in dieser Zeitschrift auch eine Dokumentationsstelle für neuere österreichische Schweinereien einrichten.« So umreißt Hermann Schürrer in der ersten Ausgabe (1976) die kämpferische Zielsetzung der FREIBORD-Gründer. In den Folgejahren etabliert sich die Zeitschrift als Plattform für eine Literatur und Kunst abseits etablierter Institutionen, ebenso wie eine experimentelle avantgardistisch ausgerichtete künstlerische Praxis. Wesentliche Inspirationsquellen sind u.a. die konkrete Poesie, der Wiener Aktionismus sowie die Kunstrichtung Fluxus.

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In der aktuellen «kolik spezial» zum Thema «#WasKannLiteratur» befassen sich Akteur*innen aus unterschiedlichen Bereichen der Literaturproduktion mit den vielschichtigen Funktionen und Wirkungsweisen literarischer Texte.
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