Die Reihe bringt Autor*innen miteinander ins Gespräch über Aspekte literarischen Schaffens, die in ihrem Selbstverständnis und ihrer Arbeit eine wichtige Rolle einnehmen. »Streitbar«, das meint in diesem Zusammenhang, die eigene Position zu formulieren und zur Diskussion zu stellen, einen kritischen Austausch und damit eine Debatte anzustoßen. Es meint, dass Positionen miteinander ins Gespräch und Meinungen in Austausch kommen, ohne zum aufmerksamkeitsheischenden oder marktkonformen Schlagwort kondensiert worden zu sein.

Im Vorfeld der Veranstaltung entstehen oft Texte, die im Hammer, oder dem Blog der Alten Schmiede nachgelesen werde können. Ein Großteil der Veranstaltungen wird gemeinsam mit dem Literaturforum Leselampe (Salzburg) konzipiert und in Wien sowie in Salzburg durchgeführt.

Ins Gespräch kamen bisher etwa Daniel Wisser, Rosemarie Poiarkov (Wien), Tanja Paar (Salzburg) über »Literatur und Einfühlung«; Andrea Winkler, Helmut Neundlinger über »Die andere Seite der Entfremdung«; Margit Schreiner, Gertraud Klemm (Wien), Sabine Scholl (Salzburg) über »Literatur und Hilflosigkeit«.


aus dem archiv

Was bringt Autor*innen zum Schreiben? Die Gründe sind vielfältig – einer davon ist möglicherweise Hilflosigkeit: Hilflosigkeit angesichts der Beobachtung, was alles nicht gesagt werden kann in und außerhalb von Literatur. Margit Schreiner, Gertraud Klemm und Sabine Scholl haben auf Einladung der Alten Schmiede und dem Literaturforum Leselampe (Salzburg) Texte zu dem Thema »Literatur gegen Hilflosigkeit?« verfasst und diese in je einer Veranstaltung in Wien und Salzburg diskutiert. Gertraud Klemms Text finden Sie hier, die Texte von Margit Schreiner und Sabine Scholl im Hammer 108.
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StreitBar: Getraud Klemm, Margit Schreiner, 6.10.2020

der hammer 105

Literatur und Einfühlung

Dezember 2019

Mit selbstironischem Augenzwinkern hat der Literaturwissenschaftler Fritz Breithaupt den Begriff des ›homo empathicus‹ geprägt, da Empathie, bzw. Einfühlung, eine wichtige Voraussetzung für das Funktionieren von menschlichen Gemeinschaften darstellt.

Sie mag biologische Grundlagen haben, muss aber kulturell verstärkt werden. »In einem Zeitalter der Gewalt, der verhärteten Fronten, eines neuen Nationalismus« aber auch der »zunehmenden Isolierung der Menschen kann einem Empathie als zentrales Gegenmittel erscheinen«, schreibt Breithaupt, weist jedoch vor allem auf die »dunkle Seite der Empathie« hin. Empathie kann auch als Grundvoraussetzung dafür gelten, andere zu beeinflussen, zu manipulieren – im privaten, jedoch auch im politischen Feld. Ähnliche Überlegungen kann man auch an literarische Texte herantragen: Möchte Literatur eine Schule des Mitgefühls sein, oder verhindert dies analytisch-politisches Handeln? Anders gefragt: Kann ein Zuviel an Einfühlung analytischem Denken im Wege stehen, führt zu viel Einfühlung vielleicht gar zu Selbstvergessenheit und Kitsch?

Und wie ist eigentlich das Verhältnis von Autor:innen zu ihren Figuren während des Schreibprozesses? Einfühlung von Autori:nnenseite in Figuren, von Leseri:nnenseite in Figuren, jedoch auch zwischen Leser:in und Autor:in – innerhalb dieser drei Eckpunkte entfaltet sich ein viel - seitiges Spannungsfeld künstlerischer Produktion.

Die Alte Schmiede hat gemeinsam mit dem Literaturforum Leselampe (Salzburg) Daniel Wisser und, auf dessen Vorschlag, Rosemarie Poiarkov und Tanja Paar eingeladen, Texte zum Thema Literatur und Einfühlung zu verfassen und diese in je einer Veranstaltung in Wien und Salzburg zu diskutieren. Die Diskussionsabende fanden unter dem Titel StreitBar im Oktober 2019 statt, in dieser Ausgabe des Hammer und in der Salzburger Literatur zeitschrift SALZ (Ausgabe 178/2019) können die Texte nachgelesen werden. Sie fragen etwa nach dem Verhältnis von ›Nähe‹ und ›Distanz‹ zwischen Autor:in, Figur und Leser:in; wie der zeitgenössische Literaturmarkt die Kategorien von ›Autor:in‹ und ›Erzähler:in‹ vermischt; und in wen man sich überhaupt einfühlen darf …

Johanna Öttl

(Quelle: Fritz Breithaupt: Die dunkle Seite der Empathie. Suhrkamp 2017.)


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