Die Reihe bringt Autor*innen miteinander ins Gespräch über Aspekte literarischen Schaffens, die in ihrem Selbstverständnis und ihrer Arbeit eine wichtige Rolle einnehmen. »Streitbar«, das meint in diesem Zusammenhang, die eigene Position zu formulieren und zur Diskussion zu stellen, einen kritischen Austausch und damit eine Debatte anzustoßen. Es meint, dass Positionen miteinander ins Gespräch und Meinungen in Austausch kommen, ohne zum aufmerksamkeitsheischenden oder marktkonformen Schlagwort kondensiert worden zu sein.

Im Vorfeld der Veranstaltung entstehen oft Texte, die im Hammer, oder dem Blog der Alten Schmiede nachgelesen werde können. Ein Großteil der Veranstaltungen wird gemeinsam mit dem Literaturforum Leselampe (Salzburg) konzipiert und in Wien sowie in Salzburg durchgeführt.

Ins Gespräch kamen bisher etwa Daniel Wisser, Rosemarie Poiarkov (Wien), Tanja Paar (Salzburg) über »Literatur und Einfühlung«; Andrea Winkler, Helmut Neundlinger über »Die andere Seite der Entfremdung«; Margit Schreiner, Gertraud Klemm (Wien), Sabine Scholl (Salzburg) über »Literatur und Hilflosigkeit«.


aus dem archiv

Was bringt Autor*innen zum Schreiben? Die Gründe sind vielfältig – einer davon ist möglicherweise Hilflosigkeit: Hilflosigkeit angesichts der Beobachtung, was alles nicht gesagt werden kann in und außerhalb von Literatur. Margit Schreiner, Gertraud Klemm und Sabine Scholl haben auf Einladung der Alten Schmiede und dem Literaturforum Leselampe (Salzburg) Texte zu dem Thema »Literatur gegen Hilflosigkeit?« verfasst und diese in je einer Veranstaltung in Wien und Salzburg diskutiert. Gertraud Klemms Text finden Sie hier, die Texte von Margit Schreiner und Sabine Scholl im Hammer 108.
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StreitBar: Getraud Klemm, Margit Schreiner, 6.10.2020

der hammer 108

Literatur und Hilflosigkeit

Juni 2020

Schreiben gegen Hilflosigkeit, Schreiben als Ermächtigungsinstrument, das ist für die beiden Autorinnen, deren Essays Sie in diesem Hammer finden, zumindest einer der Gründe für ihre schriftstellerische Tätigkeit. »Schreiben heißt für mich überleben«, heißt es etwa bei Margit Schreiner.

Über die möglichen Gründe für das Lesen von Literatur stellt der Schriftsteller und Literaturtheoretiker Kenneth Burke (1897–1993) fest: »Dichtung wird tatsächlich zum Zwecke des Wohlbefindens des Lesers geschrieben […]. Man widmet sich ihr, weil man sie als Lebenshilfe nimmt, als einen rituellen Schutz gegen Hilflosigkeit und Gefährdung.« Lesen Sie, um sich gegen Hilflosigkeit und Gefährdung zu schützen? Und wie sieht es mit SchriftstellerInnen aus, also jenen, denen wir die Existenz von Literatur überhaupt zu verdanken haben – schreiben sie, um sich selbst zu schützen, gegen Hilflosigkeit und Gefährdung? »Hilflosigkeit bringt mich zum Schreiben«, reflektiert jedenfalls auch Sabine Scholl.

Bedeutet das, die wichtigste liege im Trostspenden? Und welche Rolle spielt dabei die Funktion von Literatur das kritische Potenzial, das wir an guter Literatur oft schätzen, noch? Diesen und ähnlichen Fragen widmen sich zwei Veranstaltungen, an denen die beiden Autorinnen mitwirken, in Wien und und das Literaturforum Leselampe haben Margit Schreiner und, auf deren Anregung hin, Gertraud Klemm und Sabine Scholl eingeladen, Texte zum Thema Literatur und Hilflosigkeit zu verfassen und diese gemeinsam zu diskutieren. Die Diskussionsabende – geplant für Ende März 2020 – werden nun nachgeholt: Am 6. Oktober diskutieren Margit Schreiner und Gertraud Klemm in der Alten Schmiede, am 13. Oktober Margit Schreiner und Sabine Scholl im Literaturforum Leselampe. Vorab können Sie Gertraud Klemms Essay im Literatur-Blog der Alten Schmiede lesendie Texte von Margit Schreiner und Sabine Scholl finden Sie in diesem Hammer. Sie können darin vom Freiraum einer Bibliothek, von der Nähstube als Schrein der Hilflosigkeit und der Flucht vor einem Mammut lesen.

Johanna Öttl


(Quelle: Kenneth Burke: Dichtung als symbolische Handlung. Eine Theorie der Literatur. Suhrkamp 1966.)


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