Die Sichel 17
Die Sichel 17
Heft 17, Herbst 2026, 6. Jahr
In memoriam Alfred J. Noll
Peter Strasser
Recht ist nicht Gerechtigkeit
Alfred J. Noll
Schlussplädoyer Wiener Prozesse
Die Banane an der Wand
Demokratie als Perspektivenvielfalt
Nikolaus Dimmel
Nachruf auf einen bürgerlichen Marxisten
Alfred J. Noll 1960–2026
Neben seiner Karriere als Jurist war Alfred J. Noll ein Publizist und Schriftsteller von ausnehmender Belesenheit und blendendem Stil. Er war ein begabter und von Gegnern gefürchteter Rhetor und hat mit seinen Arbeiten über Kant, Locke und vor allem Thomas Hobbes sich auch als Philosoph positioniert. Auf Basis seiner finanziellen Autonomie als erfolgreicher Anwalt hat er sich Vor- und Nachlässen befreundeter Schriftsteller, Musiker und bildender Künstler angenommen, diese honorarfrei in Rechtsangelegenheiten vertreten und gesellschaftskritische Verlage und Zeitschriften finanziell unterstützt. Sein bildnerisches Schaffen ist unter anderem im Ausstellungskatalog Einfache Formen dokumentiert, worin er im Essay »Durch den Nullpunkt« seine aktive Beschäftigung mit gegenstandsloser Malerei reflektiert.
Zu Nikolaus Dimmels ausführlicher Würdigung von Leben und Werk versammelt diese Ausgabe der Sichel Texte und Bilder von Alfred J. Noll und endet mit Peter Strassers Besprechung des Buches Der Citoyen als Revolutionär (2026), in dessen Anhang Nolls zahlreiche Buchveröffentlichungen aufgeführt sind. Das Aquarell Alfred Justizius Noll stammt von Josef Schützenhöfer. Auf alte-schmiede.at finden sich Freitagsgespräche mit und über Alfred J. Noll und die von Noll zusammengestellte Sichel Nr. 9 mit einer Einführung zu und Texten von Galvano Della Volpe. Der Wiener Czernin-Verlag zeigt in seinem Herbstprogramm Nolls Roman Kannitz (2011) als Vorzugsausgabe an sowie einen Ergänzungsband zu seiner Hobbes-Enzyklopädie. Im kleinem ABC der Affirmation lautet Nolls Eintrag zum Buchstaben A: »Angst ist Motor und Hebel aller falschen Bejahung. Die für uns alle verbindliche Regel: Im Bestehenden sollen wir uns abfinden. Unsere Praxis: Das Mögliche sehen wir stets nur als Gefahr. Das ›Erreichte‹ müssen wir ununterbrochen sichern. Und unsere Existenz können wir nicht anders als prekär erleben. Die Angst lässt uns ›Ja‹ sagen, wo wir ›Nein‹ meinen, sie lässt uns zaudern und zögern, sie ist der schlechteste Grund, schwach zu werden. Kann je die Grundbefindlichkeit Angst, die bei Martin Heidegger dem ›Sein zum Tod‹ korrespondiert, einem Selbstvertrauen weichen, das seine Stärke aus der Einbettung des Individuums in tragende gesellschaftliche Bindungen gewinnt? Zu viel gehofft?«
Walter Famler