aus dem blog

Eine Gedichtefahrt Richtung Dichterloh, Mai 2021

Jedes Gedicht ist anders. In jedem Gedichtband ist jedes Gedicht ein neues Gedicht. Das einzelne Gedicht ist das Zentrum jedes Gedichtbands. Mit jedem Gedicht beginnt eine Welt. Die folgende kleine Serie stellt jeden Gedichtband, aus dem bei Dichterloh (4.5.–11.5.2021) gelesen wird, anhand eines Gedichtes vor.
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Dichterloh-Nachlese

Blog, 10. Februar 2021
Das Dichterloh-Festival gab im Jänner 2021 einen reichhaltigen und weit aufgefächerten Einblick in die Lyrik der Gegenwart. Beteiligt waren zwanzig Dichter*innen aus zehn Ländern. Kurator Michael Hammerschmid blickt zurück auf die Festivaltage.
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dichterloh 4.–11. Mai 2021

der hammer 101

Lyrikfestival Dichterloh 2019

Mai 2019

Das Unterschiedliche, das Ähnliche, das Einmalige
Ein Streifzug von Michael Hammerschmid

Dichterloh macht Sie dieses Jahr mit den Werken von rund 20 Dichterinnen und Dichtern aus über 10 Ländern, Sprachen und Kulturen sowie von über 10 übersetzenden Autorinnen und Autoren bekannt. An sieben Abenden mit ein bis vier Lesenden treten verschieden akzentuierte ästhetische Ansätze miteinander in Beziehung. Jedes Gedicht steht dabei für sich und verweist gleichzeitig auf die unterschiedlichen kulturellen, gesellschaftlichen, sprachlichen Hintergründe und Prägungen, die es aufnimmt und in verdichtete Sprache verwandelt.

Das Spektrum der Schreib- und Wahrnehmungsweisen ist dabei heuer wieder äußerst vielfältig: Es umfasst substanzielle Auseinandersetzungen mit der Sagbarkeit von Abschied und Liebe (D. Rees-Jones, L. Faschinger, P. Goranovic, ...), Formen des Wieder- und Weiterschreibens und der poetischen Material-Verwandlung (D. Kraus, S. Schmitzer, ...), Positionen äußerster dichterischer Reduktion (P. Enzinger, ...), Kinder ansprechendes Schreiben im »Erwachsenenkontext« (H. Janisch, J.N. Pfeifer, ...), mehrstimmige Übersetzungsprojekte (M. Vieider/A. Dejaco, F. Italiano/J. Wagner, U. Stolterfoht, ...), existenzielles, selbstreferenzielles Dichten mit teils erzählendem Impetus (A. Golob, T. Sofronieva, D. Petrik, ...) sowie jahrzehntelange dichterische Auseinandersetzung mit dem Holocaust (Jerome Rothenberg). In dieser Vielfalt gespiegelt und im jeweiligen Gedicht gestaltet, wird deutlich, wie es der Dichtung immer wieder gelingt, scheinbare und reale Gegensätze von Ich und Gesellschaft, Eigenem und Fremdem, Vergangenheit und Gegenwart (etc.) produktiv zu machen. Gerade in Zeiten funktionaler und ideologischer Simplifizierung aller möglichen Lebensbereiche ist sie beispielgebend dafür, wie unangepasste, kritische, empfindungsgenaue, schlicht lebendige Verarbeitung und Weitergabe von Erfahrung aussehen kann.

Modellhaft für die Miteinbeziehung vieler Einflüsse aus verdrängten und unterdrückten Kulturen – etwa jener der indigenen Bevölkerung Amerikas –, für die konsequente Auseinandersetzung mit der (eigenen) Geschichte, Vorgeschichte und den Auswirkungen des Holocausts sowie für eine über Grenzen gehende Ästhetik, für die das Signet der sogenannten ›Ethnopoesie‹ geprägt wurde, kann das dichterische Werk Jerome Rothenbergs stehen. Am 27.5. (dem Abschlussabend von Dichterloh) wird der Judaist, Dichter und Übersetzer Jerome Rothenbergs, Norbert Lange, es gemeinsam mit dem Autor vorstellen. Rothenberg, 1931 als Sohn jüdisch-polnischer Einwanderer geboren und in New York lebend, wird Auszüge aus seinem »Triptych« lesen, das sich aus den Bänden Poland/1931, Khurbn und The Burning Babe zusammensetzt.

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