der hammer 138 / 2026
Über Renate Welsh
Fenster aufmachen, wo keine sind.
Über Renate Welsh
Mai 2026
Renate Welsh gehört zu den renommiertesten Kinder- und Jugendbuchautor*innen im deutschsprachigen Raum, ihre Bücher werden indes selten als ›Allgemeinliteratur‹ rezipiert, obwohl sich Arbeiten bereits seit über 35 Jahren auch explizit an ein erwachsenes Publikum richten: Etwa befassen sich die beiden Romane Constanze Mozart (1990) und Das Lufthaus (1994) mit Lebensrealitäten historischer Frauenfiguren, 1988 veröffentlichte sie In die Waagschale geworfen. Geschichten über den Widerstand gegen Hitler und in ihren frühen Kindheitserinnerungen spürt sie nach in Kieselsteine. Geschichten einer Kindheit (2019). Die einschneidende Erfahrung eines Schlaganfalls im Jahr 2021 und die schrittweise Rückeroberung von Körper und Sprache bot Anlass für Ich ohne Worte (2023); mit Leih mir dein Ohr erschien 2024 auch ein Lyrikband.
Um dem umfangreichen Werk Renate Welshs gerecht zu werden,
feministischen und emanzipatorischen Lesarten ebenso wie ihren
literarischen Netzwerken, fand am 11.2.2026 das Symposium »Geschichten hinter den Geschichten«. (Re-)Lektüren des Werks von Renate Welsh
statt, in Zusammenarbeit mit dem Archiv der Zeitgenossen (Universität
für Weiterbildung Krems), wo der Vorlass der Autorin bewahrt und
beforscht wird. Die wissenschaftlichen Zugänge fließen in eine größere
Publikation ein (erscheint 2027 im Studien-Verlag), die Beiträge der
Autorinnen Margit Schreiner und Elke Laznia können Sie in diesem Hammer nachlesen.
Margit Schreiner befasst
sich mit der Kategorie des Autobio grafischen in Renate Welshs OEuvre
und dem Umgang mit Körperlichkeit, Alter und temporärem Sprachverlust.
Elke Laznia schält in ihrem sehr persönlichen Zugang Wechselwirkungen
heraus zwischen sich selbst und Renate Welshs Erzählungen über Herkunft,
Anderssein, Empathie und die Wichtigkeit des Zuhörens.
»Du machst
Fenster auf, wo keine sind«. Zu diesem Satz einer Romni aus einer ihrer
Schreibwerkstätten sagt Renate Welsh: »An ihm halte ich mich fest, wenn
mich wieder einmal die Verzweiflung packt angesichts der politischen
Lage, angesichts meiner Ratlosigkeit. Letztlich versuche ich immer
wieder trotz allem, auf die Sprengkraft der Gänseblümchen zu vertrauen.«