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Montag, 12. September 2022

//SAISONERÖFFNUNG

19:00
Anna Kim Geschichte eines Kindes Roman. Suhrkamp Verlag
Johanna Öttl MODERATION

Die Identität eines Menschen wird nicht zuletzt durch staatliche Identitätspolitik bestimmt. Das führt Anna Kims Roman anhand der Geschichte eines Adoptivkindes in einer US-amerikanischen Kleinstadt der 1950er Jahre vor: Eine junge Frau gibt ihr uneheliches Kind Daniel zur Adoption frei, es kommt in die Obhut des Staates, der sich der Suche nach einer Adoptivfamilie annehmen soll. Als sich jedoch der Verdacht einstellt, Daniel könnte nicht »weiß« sein, sondern »indianisch«, »polnisch« oder »negrid«, so die zeitgenössische Behördensprache, beginnt die rassenbiologische Klassifizierung des Kindes. Davon ausgehend schildert Anna Kim den Lebensweg eines Menschen, der von Beginn an bestimmt ist durch die Unerbittlichkeit bürokratischer und gesellschaftlicher Rassifizierung.

Anna Kim, *1977 in Daejeon/Südkorea, lebt in Wien. Erzählungen, Essays, Romane, Lyrik. Ihre Romane Die gefrorene Zeit (2008) und Anatomie einer Nacht (2012) wurden mehrfach übersetzt. Zuletzt erschien (u.a.): Die große Heimkehr. Roman (2017); Über die Dringlichkeit. Innsbrucker Poetik-Vorlesungen (2017).