der hammer 98

Literatur im Herbst: Anderswelten - Dystopien und Utopien

November 2018

Georg Seeßlen | Markus Metz: Freiheitstraum und Kontrollmaschine. Der (vielleicht) kommende Aufstand des nicht zu Ende befreiten Sklaven.

Sklave ist, wer zur Arbeit gezwungen werden kann ohne gerechten Lohn und ohne Recht an den Früchten seiner Arbeit. Sklave ist, wessen Körper der Willkür und der Lust seines Herrn preisgegeben ist. Sklave ist, wer nirgendwohin kann und nicht erzählen und abbilden kann, von wo er herkommt. Sklave ist der Mensch, dessen Wert sich bemisst wie bei einem Stück Vieh oder einem Ding, und dessen Besitzer wechseln kann, ohne dass er einen Einfluss darauf hätte. Sklave ist der Mensch, der geprügelt werden darf. Oder auch getötet.

Denn der Sklave steht nicht unter dem Gesetz des Staates, sondern unter dem Gesetz des Herrn (nicht unter dem Gesetz der Polis, sondern unter dem der oikonomia). Mochte einst der Sklave alle diese Eigenschaften (oder Un-Eigenschaften) aufweisen, so teilten sie sich im Verlauf der Befreiungen und der neuen Kontrollen. Wer arbeiten muss ohne gerechten Lohn und ohne Recht an den Früchten seiner Arbeit, musste nicht mehr unbedingt identisch sein mit dem Menschen, den man prügeln darf, ohne selber Prügel zu befürchten. Wo der Sklave zum Diener wurde, da konnte er vom puren Objekt gar auch zum Verbündeten werden, den man weder durch reinen Zwang noch gar durch Prügel zu etwas bewegen kann ...

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