26-30

Pataki // Broch // Hackl // Rosei // Artmann
26
Heidi Pataki

Schlagzeilen (1968)

... eine der größten Lyrikerinnen im deutschsprachigen Raum, in der Sprachgenauigkeit und ihrem Witz von Karl Kraus geprägt und vom Kabarett, ähnlich wie die Wiener Schule, nur mit dem Unterschied, daß sie ihr Tief-Weibliches wahrzunehmen und wachzuhalten versteht, ohne sprachverliebtes Herumgescherze.
Julian Schutting

27
Hermann Broch

Die Schuldlosen (1950)

Die Schuldlosen ist eines der eigenwilligsten Gebilde der österreichischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Aus sechs unzusammenhängenden früheren, fünf neu verfassten Novellen und dazwischengestellten Gedichten komponiert, will es die große Romanform sprengen und zugleich für sich geltend machen. Themen und Schreibweisen, mit denen sich Broch vier Jahrzehnte hindurch auseinander gesetzt hatte, sind in dieses Werk eingeflossen.
Redaktion
Angesichts dieses polyphonen Gebildes ist es nicht immer leicht, Brochs ethisch-politische Intention nachzuvollziehen, die er selbst öfters auf einen einzigen Nenner gebracht hat: es gehe in den Schuldlosen um den Seelenzustand der Deutschen zwischen 1923 und 1933, also um die Bedingungen der Möglichkeit des Nationalsozialismus. Broch sieht diese in dem »Problem der Menschenvereinsamung und der daraus entspringenden verantwortungslosen Gleichgültigkeit«. Die »Gleichgültigkeit« wird von ihm als Hauptsünde definiert, die vor allem den »Spiesser« charakterisiert und sich ironisch im Titel Die Schuldlosen spiegelt.
Gerald Stieg

28
Erich Hackl

Abschied von Sidonie (1989)

Erich Hackls Geschichten befinden sich an einer Schnittstelle von Realität und Literatur. Mit scheinbar einfachen, tatsächlich aber sehr diffizilen literarischen Mitteln und einer knappen, genauen Sprache spüren sie realen Lebensgeschichten von Menschen nach, die sich auf die eine oder andere Weise gegen die ihnen aufgezwungenen Lebensumstände zur Wehr gesetzt haben. Der politische Anspruch, Leben darzustellen und zu bewahren, die sonst dem Vergessen anheimfallen würden, geht Hand in Hand mit dem literarischen Anspruch, diese Geschichten in einer ihnen angemessenen Form zu erzählen. Aufgrund dieser Poetik ist Abschied von Sidonie eines der herausragendsten Beispiele für einen respektvollen, kritisch forschenden und engagierten Umgang mit der österreichischen NS-Vergangenheit.
Georg Pichler

29
Peter Rosei

15000 Seelen (1984–1988)

Waren die Protagonisten in Roseis Romanen bis dahin vorwiegend so genannte »Drifter«, das heißt moderne Taugenichtse, so macht sich Rosei im Romanzyklus daran, die Lebensformen der spätbürgerlichen Gesellschaft am Beispiel exemplarischer Vertreter darzustellen. Ihren Vorlagen entsprechend »konventionell« sind denn auch die eingenommenen Erzählerpositionen. Jeder der fünf Romane des Zyklus handelt von einer möglichen Seinsweise am Ende des 20. Jahrhunderts. Die Besetzungsliste reicht vom einsamen Reiseführer im türkischen Exil, der ein Findelkind großzieht, über eine junge Richterfamilie in einem österreichischen Bergdorf (Stichwort: brüchiges Idyll) hin zu einem homosexuellen Professor. Im Zentrum des Romanprojektes steht das Exemplar der Exemplare unserer Gattung: Ein Handelsreisender, »an dem so gut wie gar nichts [war], was sich selber deutlich beim Namen nennt«, und der unterwegs ist, um die perversen Weltrekordversuche einer Gesellschaft zu registrieren, der Rosei mit diesem Buch einen würdigen Abgesang verfasst hat. Für das postapokalyptische Nachspiel des Zyklus braucht Rosei keinen Roman mehr. Er bringt es in einem schmalen Bändchen mit dem Titel Unser Landschaftsbericht unter: Beschrieben wird der von der Menschheit übrig gebliebene Rest auf seiner Wanderung durch eine wieder leer gewordene Welt, in der nur noch Knochenfelder von dem zeugen, was einmal war.
Walter Vogl

30
H. C. Artmann

ein lilienweißer brief aus lincolnshire (1969)

Die 1969 vom Dichter Gerald Bisinger herausgegebene Sammlung der Dichtungen H.C. Artmanns bietet, mit Ausnahme der Dialektgedichte, eine erste, weitgehend vollständige Übersicht über den umfassenden Artmann'schen poetischen Kosmos. Noch heute bewegt und begeistert das auf rund 500 Seiten entfaltete Labyrinth dichterischer Impulse, spontaner Eingebungen und komponierter Dichtungszyklen, in denen die codifizierte poetische Form mit ihrer Subversion einen offenen Dialog führt. Man kann dieses Buch nicht anders als ein literarisches Elementarereignis begreifen, das zugleich Zeugnis von einem die Lebensform bestimmenden dichterischen Freiheitsbegriff gibt, der in den heutigen normierten und normativen Zeiten fast schon sagenhaft wirkt. Das im Jahr 1964 von Konrad Bayer abgefasste und als Vorwort aufgenommene Porträt hans carl artmann und die wiener dichtergruppe vertieft noch diesen kulturgeschichtlichen Aspekt.
In jahrelanger, oft detektivischer Arbeit war es Gerald Bisinger, in einer editorischen Vorstufe gemeinsam mit dem Artmann-Freund Peter O. Chotjewitz, gelungen, die bis dahin eine verstreute, in mehr oder minder entlegenen Editionen veröffentlichte, oft aber unveröffentlichte Existenz führenden Gedichte Artmanns, auch die meisten der als verschollen geltenden, in diesem Buch zusammenzufassen.
Redaktion

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der ersten 75 Grundbuch-Veranstaltungen sind 2007, 2013 und 2019 in der Buchreihe profile des Wiener Zsolnay Verlags erschienen.





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